Begabtenförderung an Schulen in Hamburg

In der morgigen (Dienstag 13.08.2013) Sitzung des Schulausschusses Hamburg steht das Thema der (Hoch-)Begabtenförderung auf der Tagesordnung, Grund für uns, sich nochmals mal mit dem Thema Begabtenföderung in Hamburg auseinander zu setzen: In einer Schule gibt es immer Schülerinnen und Schüler, welche in Ihren Befähigungen außerhalb der Gauß’schen Normalverteilung liegen. In vielen Bundesländern werden darum von den Kultusministerien beziehungsweise Schulbehörden Fördermaßnahmen angestoßen und umgesetzt, welche hier individuell stützen sollen. Diese Stützmaßnahmen verteilen sich nicht paritätisch auf die linke und rechte Seite der Normalverteilung: Der Fokus liegt doch recht häufig auf der Förderung von sogenanten schwächeren Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf.

Es ist sicher nachvollziehbar, zunächst das Augenmerk auf die Schülerinnen und Schüler zu legen, welche dem regulären Unterrichtsgeschehen nicht ohne zusätzliche Stütz- und Fördermaßnahmen überhaupt folgen können. Hier existiert in Hamburg bereits eine breite Palette von umgesetzten Fördermaßnahmen für schwächere Schüler, einschließlich zusätzlicher Förder- und Stützkurse und Maßnahmen, welche unter dem Begriff „kostenlose Nachhilfe“ bekannt sind.

Jedoch ist auch die schulische Förderung von höher begabten Schülerinnen und Schülern (SuS) genauso notwendig für die Prosperität einer Gemeinschaft, denn ohne spezielle Förderung werden Begabte häufig zu Schulversagern, werden von der Peer-Group in der Schule auch schon mal ausgegrenzt ausgegrenzt und zeigen gegebenenfalls ähnliche Symptome und Leistungsdefizite wie SuS mit sonderpädagogischem Förderbedarf. Grundlagen-Infos hierzu können Sie unserem Artikel „Schule und Hochbegabung“ entnehmen.

Sich einmal Gedanken über die Begabtenförderung in Hamburgs Schulen zu machen, scheint angezeigt, denn die Zahl der (höher) begabten Schüler in Hamburg ist dramatisch rückläufig, während die Zahl der Förderschüler in Hamburg bekanntermaßen dramatisch steigt:

Waren im August 2011 nach Schätzungen der Schulbehörde Hamburg noch 10-15% der Hamburger Schüler höher / hochbegabt, sind es nach Einschätzung der Elternkammer Hamburg vom Mai 2013 nur noch 2-3%

„Verdoofen“ also die Schüler im Hamburger Schulsystem, könnte man nach den Regeln der Kausalverknüpfung hier ketzerisch hinterfragen…

Was bietet Hamburg denn für höher begabte SuS an? Immerhin eine „Beratungsstelle für besondere Begabungen“, am Hamburger LI angesiedelt, die als Anlaufstelle für interessierte Schulen und Eltern fungiert, welche wohl primär Ferienkurse organisiert und zumindest einen Flyer hat. Doll…

Ach ja, ein „Springer-Programm“ gibt es in Hamburg noch: Höher Begabte werden einfach in die nächst höheren Klassen geschoben und ein paar Euronen in die jeweiligen Klassenkassen gepackt. Das Lern- und Leistungsniveau stimmt dann zwar unter Umständen wieder, aber der jüngere Begabte hat dann eventuell Anpassungsprobleme und Sozialisationshemmnisse: Eigentlich logisch, dass ein 15-Jähriger dann nicht unbedingt von 17 Jährigen als gleichrangig akzeptiert wird. Lernt jeder angehende Sozialpädagoge im Grundstudium und der Verfasser schreibt dieses basierend auf empirischen Tatsachen 😉

Hier lohnt ein Blick in nördlich angrenzende Bundesland (Schleswig-Holstein) und dessen Enrichment-Programm für begabte Schülerinnen und Schüler, welches auf Initiative der Schulpsychologin Dr. Bartels zurückgeht. Sicher nicht perfekt, aber ein gangbarer Ansatz, dank verständiger Ministerien, engagierter Schulen, Pädagogen und Sponsoren. Mittlerweile gibt es zahlreiche Schulen, welche als Kompetenzzentren fungieren.

Hier sollte Hamburg mit seiner Vorreiterrolle in der bundesdeutschen Bildungslandschaft mal „Profil und Gesicht zeigen“ und die Worte des Schulsenators Ties Rabe umsetzen:

die Förderung von Schülerinnen und Schülern mit besonderen Begabungen ist eine der bedeutenden Aufgaben unserer Schulen… Damit dies nicht geschieht, haben wir in Hamburg die Begabtenförderung zur Regelaufgabe jeder Schule erklärt!“ (zitiert von hier).

Schlussendlich braucht ein Indianerstamm nicht nur Indianer. Ein paar Häuptlinge, die „im Ernstfall den Kopf hinhalten“, sind schon nicht verkehrt… 😉

Die Sitzungen des Schulausschusses in Hamburg sind in der Regel öffentlich. Wer also um 17:00 Uhr spontan Zeit hat, kann sich im Hamburger Rathaus, Raum 151, einfinden…

Veröffentlicht von

Kai Pöhlmann

Kai Pöhlmann ist Inhaber der ABACUS Nachhilfe Institute Hamburg und Kreis Pinneberg und Gründer des ersten ABACUS-Nachhilfeinstitutes nördlich der Isar.Google+

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