Deutsch Nachhilfe für Bayern?

An der bayerischen St. Nikolai Schule in Passau (Freistaat Bayern) ist das deutsche „Tschüs“ als Grußformel untersagt. Laut Rektorin Seibert muss anstatt das bayerisch-dialektische „Grüß Gott“ verwendet werden, ersatzweise darf auch – ganz atheistisch – mit „Guten Morgen“ oder „Guten Tag“ gegrüßt werden. Die Regelschule wurde von der Schulleitung als „Hallo und Tschüs-freie Zone“ ausgerufen, wie die Passauer Neue Presse heute meldete.

Das Ziel von Frau Kollegin Seibert ist zwar heher – Anhebung des Sprachniveaus und des Höflichkeitsduktusses in der Interaktion Schüler – Lehrkörper. Die Mittel der Umsetzung jedoch wohl eher nicht zweckdienlich und wissenschaftlich auch nicht ganz korrekt:

Die Grußformel „Tschüs“, „Tschüss“, tradiert „A-Tschüs“ leitet sich ab von Ad Deum (lat.: Gott befohlen), hat somit die gleiche sprachliche Sinnbildung wie das gemein-bajuwarische „Grüß Gott“ und würde auf einer Höflichkeitssprachskala womöglich sogar leicht oberhalb der regional-bayerischen Kurzform rangieren.

Lebendige Sprache unterliegt natürlich stets einem Zeiten- und Gezeitenwandel. Ein sprachlich bewahrender Bezug zur Region darf, ja soll auch an Schulen hergestellt werden: So gibt es selbst im globalen und weltoffenen Hamburg einen Bildungsplan der niederdeutschen Sprache für die Schulen der Primarstufe der Stadt. Eine höhere Akzeptanz von Regional-Idiomen jedoch mit der Ausgrenzung von anderen semantisch korrekten Begrifflichkeiten erreichen zu wollen, halten wir für fraglich.

Eine „Gute Nachhilfe in Deutsch“ wäre hier vielleicht eher, sich einmal Gedanken über die vielen Anglizismen zu machen, welche mittlerweile nicht etwa als Bereicherung, sondern als wahrlich unnötiger Appendix für deutsche Begriffe Eingang in die Schüler-Umgangssprache gefunden haben: Ist ein „Meeting Point“ wirklich treffender als ein Treffpunkt und warum muss „Chillen“ sinnreicher sein als „Abhängen“ oder faulenzen?

Muss ein Mobiltelefon zwingend als „Handy“ bezeichnet werden? Hier mag man bei dieser Kurzform allenfalls die etymologische Herleitung aus dem Schwäbischen gelten lassen: „Hän‘ die koi Schnürle dran?“. Der Anglizist bezeichnet hier korrekter als Mobile oder Cellphone…

Hier in diesen Dingen als pädagogisches Vorbild zu agieren, steht dem Lehrkörper einer bundesdeutschen Schule sicher gut an, eben nicht treu nach der eher resignierenden Weisheit „Non vitae, sed scholare discimus“ des alten Senecas – auch wenn der Freistaat Bayern das Grundgesetz der Bundesrepublik unserer Kenntnis nach bis heute nicht ratifiziert hat ;-).

Veröffentlicht von

Bach

Dr. Siegfried Bach ist Gymnasiallehrer im Ruhestand, Studienleiter und Lektor.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.