Diktate an Grundschulen in Hamburg

Der neue Schulsenator Wersich führt an Grundschulen in Hamburg wieder Diktate zur Leistungsüberprüfung ein. Ja, gab’s die denn mal nicht? werden sich manche Eltern fragen. In der Tat: Diktate als Form der Leistungsüberprüfung sollten nicht mehr in die Notengebung einfließen, so war der Plan der vorherigen Schulsenatorin Goetsch.

Nun sollen die bei Grundschülern in Hamburg heißgeliebten Diktate 🙂 wieder bei der Notengebung berücksichtigt werden: Hamburger Grundschüler zum Diktat, so meldete das Hamburger Abendblatt.

Ein pädagogisch sinnvoller Schritt, wie der Nachhilfe News Blog Hamburg meint. Korrekte, orthographisch richtige Schreibweise in Deutsch ist für die (weitere) Schullaufbahn extrem wichtig:

  • Was nützt die tolle Idee im Aufsatz, die für sich allein genommen eine „2“ wert ist, wenn der Aufsatz von Rechtschreibfehlern nur so wimmelt und die Fehlerquote dann die Gesamtnote nach unten zieht?
  • Die Deutsch-Rechtschreibung reflektiert und streut in alle anderen Unterrichtsfächer und korrekte Schreibweise findet später auch einer Erdkundearbeit noten-technisch Berücksichtigung
  • Eine einmal falsch konditionierte Schreibweise bei einem Schüler „herauszubringen“ ist recht mühsam
  • Grundschüler lesen heutzutage leider tendenziell viel weniger als noch deren Elterngeneration: Daher erhöht eine Rechtsschreib-Leistungserhebung den „Lesedruck“ bei den Schülern, der dann die orthographische Reflexion über das Lesen bringen kann: Wer 5-mal das Wort „Hamburg“ bewusst in einem Buch gelesen hat, schreibt das sechste Mal eher nicht mehr „Hamborch“ oder „Hambuach“ 🙂
  • „Bedauerlischerweise“ ist unser norddeutscher Dialekt zwar recht nahe am Mittelhochdeutschen, hat aber akzentbedingt für die korrekte deutsche Schreibweise unangenehme Nebenwirkungen: Das „R“ ist nicht apodiktisch (also stimmlos) und wird eher als „a“ gesprochen, das „G“ am Ende eines Worte wird zum „Zeh-Hah“, das „ck“ wird eher zum „g“: Fehlt dann auch die von der Schule durchgeführte Rechtschreib-Korrektur und die Reflexion der Schüler über das Lesen, schreibt der Hamburger Schüler schon mal: „Umme Egge“  oder „anne Boine“. Die schreibweisen-korrekte Hanseatische „St“-Betonung – im Gegensatz zum mittelhochdeutschen „scht“ – ist seit den Rücktritt von Helmut Schmidt ja leider eher rückläufig: Wer „stolpert denn noch über spitze Steine…“ 🙂 .

Nicht umsonst versucht die Bundesregierung mit einem € 26 Mio Paket die Lesekompetenz für Grundschüler zu fördern… PISA 2010 Ergebnisse lassen grüssen…

Interessierten Grundschullehrern sei noch die HSP (Hamburger Schreibprobe) zur Rechtschreib-Überprüfung Ihrer Lerngruppen empfohlen, Kosten € 1,– je Kind mit Online-Auswertung. Ergänzende Hintergrund-Infos zur HSP hier.

Eine rechtzeitige, frühe, schriftliche Leistungsüberprüfung und Noten in der Rechtsschreibung von Grundschülern dokumentiert Handlungsbedarf, setzt Signale und zeigt gegebenenfalls Handlungsbedarfe für Schüler und Erziehungsberechtigte auf.

Veröffentlicht von

Kai Pöhlmann

Kai Pöhlmann ist Inhaber der ABACUS Nachhilfe Institute Hamburg und Kreis Pinneberg und Gründer des ersten ABACUS-Nachhilfeinstitutes nördlich der Isar.Google+

4 Gedanken zu „Diktate an Grundschulen in Hamburg“

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