Gastschulstreit Hamburg vs. Schleswig-Holstein

Nun wird’s Zeit: Die Übergangsregelung für Gastschüler im jeweils anderen Bundesland läuft zum 31.12.2010 definitiv aus

Wie die derzeitige Regelung zu den jeweiligen Gastschülern in Hamburg und Schleswig-Holstein derzeit ausschaut, haben wir hier im Nachhilfe News Blog schon vorgestellt.

Nun geht es schlicht nur um’s Geld, hat man den Eindruck: Hamburg möchte von Schleswig-Holstein € 20 Mio. als Ausgleich für die ca. 6000 Schüler, die in Hamburg eine Schule besuchen, Das Land Schleswig-Holstein will € 10 Mio. maximal zahlen, wie das Hamburger Abendblatt zum Gastschulstreit berichtet.

Der Nachhilfe News Blog kann sich des Eindruckes nicht erwehren, dass es hier zwischen Hamburg und Schleswig-Holstein zugeht, wie das Geschachere auf einem türkischen Basar.

Nichts gegen türkische Basare… Dieses soll nur als Beispiel für exzessives Feilschen dienen. Herrje, wobei Schachern ja wiederum ein jiddisches Wort ist und eher in abfälliger Bedeutung für in der Sache unangemessenes, übertriebenes Handeln steht… 🙂

Es wird nunmehr alles in den Verhandlungs-Topf geworfen, was dienlich ist, bei der einen Seite die Forderung hochzuhalten und von der anderen Verhandlungsseite die Verbindlichkeiten möglichst herunterzurechnen (zum Beispiel: die Heimkinder).

Die Schaffung einer „Schulregion Hamburg“ inklusive des Schleswig Holsteiner „Speckgürtels“ wird von Schleswig-Holstein abgelehnt. Verständlich, denn das würde dazu führen, dass noch mehr Schüler aus Schleswig-Holstein an Hamburgs Schulen unterrichtet werden und das Land noch höhere Ausgleichszahlung an Hamburg leisten müsste:

Ein Stadtstaat wie Hamburg hat – zwangsläufig – eine höhere Schuldichte, ein vielfältigeres Schulangebot auf engerem Raum und in der Regel kürzere Schulwege als ein Flächenstaat und entfaltet damit natürlich eine gewisse „Magnetwirkung“.

Diese Zwangsläufigkeit sollte von den Beteiligten akzeptiert werden.

Bedauerlich für den Nachhilfe News Blog ist, dass ein Streit um’s Geld letztendlich auf dem Rücken von 7000 betroffenen Schülern und deren Familien ausgetragen wird. Die Bürden und Umständlichkeiten einer oktruierten Beschulung im jeweils eigenen Bundesland sind von den Printmedien bereits ausreichend thematisiert worden.

Natürlich ist Bildung nie umsonst und kostet immer Geld. Vielleicht wäre es für Schleswig-Holstein hilfreich, mal die Wanderungsbewegungen der in Hamburg beschulten Schüler näher zu untersuchen: Wo leben diese nach Beendigung der Schullaufbahn und zahlen Ihre Steuern? Sollten diese mehrheitlich dann (wieder) in Schleswig-Holstein leben, kann die Gastschul-Ausgleichszahlung an Hamburg möglicherweise sogar ein gutes Geschäft für den Flächenstaat sein…

Solche Beispiele von Nicht-Verständigung und Verschleppung (das bestehende Gastschulabkommen zwischen Hamburg und Schleswig-Holstein lief schon Mitte 2009 aus!) erinnern uns dennoch stark an die Kleinstaaterei in Deutschland bis ins 19 Jahrhundert und geben sicher Forderungen nach einer bundeseinheitlichen Schul- und Bildungspolitik neue Nahrung.

Veröffentlicht von

Kai Pöhlmann

Kai Pöhlmann ist Inhaber der ABACUS Nachhilfe Institute Hamburg und Kreis Pinneberg und Gründer des ersten ABACUS-Nachhilfeinstitutes nördlich der Isar.Google+

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