Kostenlose Nachhilfe in Hamburg – ein Erfolgsmodell?

gestern hat die Schulbehörde Hamburg die Daten zu den Förderkursen an Hamburger Schulen veröffentlicht und sich selber ein gutes Zeugnis ausgestellt. Aber ist die aus Bundes- und Ländermitteln angebotene sogenannte „kostenlose Nachhilfe“ wirklich hilfreich, um die Lernprobleme von Schülern effektiv zu lösen? Die BSB Hamburg teilt mit, dass 19959 Schüler an fast allen staatlichen Schulen (308 der 309 allgemeinbildenden Hamburger Schulen) zusätzlichen Förderunterricht erhalten haben. Das sind 13,1% der insgesamt 152431 Hamburger Schülerinnen und Schüler (ohne Sonderschul-Schüler).

Die angebotenen Förderkurse sind verpflichtend für alle Schüler, die eine „5“ haben. Das bedeutet dann wohl im Umkehrschluss, dass über 13% der Hamburger Schüler in Mathe, Deutsch oder Englisch auf „Mangelhaft“ stehen…

Von diesen Schülern sind aber nur 6373 Schüler und Schülerinnen – 31,9% – bedürftig und anspruchsberechtigt nach dem Bildungs- und Teilhabepaket. Genau wegen dieser sozial benachteiligten Schüler ist jedoch das Förderpaket von der Bundesregierung einst geschaffen worden…

Diese Fördermaßnahme wird von der BSB Hamburg mittlerweile nur noch als „Nachhilfe“ in Anführungszeichen und – wissenschaftlich korrekt – als Lernförderung bezeichnet, weil „…keine innerschulischen Formen außerunterrichtlicher Unterstützung unter den Begriff Nachhilfeunterricht fallen, wie insbesondere Stütz- und Förderkurse und die Einrichtung von Hausaufgabenbetreuungen…“

Für die Förderkurse an den Hamburger Schulen werden von der Stadt Hamburg € 7,8 Mio. aufgewendet. € 3.3 Mio kommen aus Mitteln des Bundes für das Bildungs- und Teilhabepaket, fast € 5 Mio. werden noch aus Steuergeldern der Hamburger Bürgerinnen und Bürger dazugelegt. Von einer kostenlosen „Nachhilfe“ oder kostenlosen Förderung zu sprechen, ist da schon mehr als ein Euphemismus. Für jeden der in den Kursen geförderten Schüler entfällt daher ein Anteil von € 390,80 zuzüglich der entstehenden kalkulatorischen Kosten.

Als „Erfolgsquote“ wird die Reduzierung der Sitzenbleiber-Quote von 2108 Schülern im Schuljahr 08/09 auf aktuell 861 Schüler genannt. Komisch, da Hamburg doch eh‘ das Sitzenbleiben abgeschafft hat.

Und ob das Abschaffen des Sitzenbleibens nun wirklich sinnreich ist, wird von Pädagogen kontrovers diskutiert. Und wenn man von ca. 160000 Schülern in 2008/2009 an Hamburger Schulen ausgeht, reden wir hier von 1,3% der Hamburger Schüler, die damals „Sitzen geblieben“ sind. Wow, welch‘ ein Anteil… In Bayern liegt die Sitzenbleiberquote kumuliert bei 6%

Wie immer und überall, ist das Nachhilfefach Nr. 1 Mathe (37%), dicht gefolgt von Deutsch (35%).

Im Schnitt sind 3 Schüler in einer Fördergruppe. Wenn diese dann auch noch alle aus der gleichen Klasse kommen und alle das gleiche individuelle Mathe- oder Deutsch-Problem haben, sind solche Extra-Förderkurse an Hamburger Schulen zwar nicht wirklich umsonst, aber wenigstens nicht vergebens ;-).

Veröffentlicht von

Kai Pöhlmann

Kai Pöhlmann ist Inhaber der ABACUS Nachhilfe Institute Hamburg und Kreis Pinneberg und Gründer des ersten ABACUS-Nachhilfeinstitutes nördlich der Isar.Google+

4 Gedanken zu „Kostenlose Nachhilfe in Hamburg – ein Erfolgsmodell?“

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