Physik Nachhilfe: Magnetismus-Entdeckung als Kind

Es kommt vor, dass Kleinkinder in ihrer Umgebung Erfahrungen mit Naturgesetzen machen, welche ihnen nicht gleich von Erwachsenen erklärt werden und die ein erstes Staunen auslösen: Sternstunden der Physik.
Jule – 24 Monate jung, auf Besuch bei den Großeltern, entdeckt den magnetischen Flaschenöffner am Kühlschrank. Sie zieht ihn ab, patscht ihn wieder dran-ab-dran ein herrliches Spiel. Dann läuft sie los, will testen, ob er auch an anderen Stellen hält und testet die Haftkraft an Türen, Möbeln, Fensterscheiben.

Sie ist enttäuscht, dass es nicht überall funktioniert. Sie rennt nun wieder zum Kühlschrank und – siehe da – der Magnet hält. Durch Zufall stellt sie fest, dass der Flaschenöffner auch Löffel anzieht. Neue Erfahrung! Plötzlich stolpert Jule – der Öffner fällt ihr aus der Hand. Neuer Versuch am Fußboden – Enttäuschung… Aber neben ihr ist die Heizung – hier hält der Magnet! Oh Freude – es geht doch!

So allmählich merkt Jule, dass der Magnet an bestimmten Flächen haftet, an anderen nicht. Wir Erwachsene wundern uns über ihre Ausdauer. Sie vermutet wohl eine Art Geheimnis und sieht uns immer wieder an – teils enttäuscht, teils erfreut und auch fragend: wie kommt es, dass es mal klappt, mal nicht?

Sie lebt auf einer Stufe, auf der sie noch nicht verschiedene Stoffe unterscheiden kann – wie Holz, Metall, Textilien. Sie geht den königlichen Weg der ersten, unmittelbaren Wahrnehmungen. Später wird Jule im Physikunterricht, wenn er denn überhaupt ausreichend stattfindet, mit bemühten Erklärungen versorgt und hört etwas von Elementarmagneten, die Nord- und Südpole haben (rot und grün), was in Wahrheit gar nichts erklärt, besonders die Farben nicht, die nur dem Lehrer den Unterricht erleichtern sollen, aber mit Magnetismus nichts zu tun haben. Hier verbirgt sich die wirkliche Welt bereits hinter ablenkenden und verwirrenden Modell-Surrogaten, die vor allem zur Entfremdung zwischen Kind und Wirklichkeit führen, bis es sich eines Tages, irritiert und enttäuscht von der großen, schönen und wichtigen Physik abwendet.

Immer aber gibt es eine Anfangschance wie für Jule. Sie macht die ersten, noch nicht durch Worte kommentierten naturwissenschaftlichen Erfahrungen, die ganz unmittelbaren, die aber schon im Inneren von Jule Wurzeln schlagen und sich durch guten und frühen Physikunterricht in der Schule vermehren könnten.

Einstein hat einmal verraten, welches seine erste, prägende physikalischen Erfahrung war: Ein Onkel hatte ihm einen Kompass geschenkt, der ihn stark faszinierte. Gerade weil seine Erfahrungen nicht mit unverständlichen Erklärungen zugedeckt wurden, bestand für den kleinen Einstein die Chance, eigenes Denken zu entwickeln. Er konnte (mit knapp über drei Jahren) noch nicht sprechen und auch noch keine Erklärungen verstehen. Wir alle wissen, wie sein Leben verlief…

Veröffentlicht von

Bach

Dr. Siegfried Bach ist Gymnasiallehrer im Ruhestand, Studienleiter und Lektor.

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